Afra - Voller Mut

Jugendcamp: Auf Wiederhören

Für Andershörende zwischen 14 und 17 Jahren

25.-30. Juli 2021, Diez a. d. Lahn

Im  Juli 2021 fand das erste Jugendcamp der DCIG in einem alten Grafenschloss, der Jugendherberge Diez, statt.
Hier der Bericht einer Teilnehmerin, Hannah Assem

"Wir sind echt zusammengewachsen"

Auch wenn wir aus ganz Deutschland kamen und uns anfangs erst einmal alle kennenlernen mussten, hat sich ziemlich schnell eine tolle Gruppe gebildet, in der ich mich direkt wohlgefühlt habe. Das lag sicher auch an der besonderen Konstellation: Zwar lag der Schwerpunkt des Camps der DCIG nicht auf unserer Hörschädigung, sondern auf gemeinsamen Aktivitäten in der Gruppe. Trotzdem ist es etwas anderes in einem Camp mit nur Hörgeschädigten als in einem regulärem Jugendcamp zu sein; die Hörschädigung war eine Gemeinsamkeit, die direkt alle miteinander verband. Und so tauschten wir Teilnehmer uns untereinander auch mal über das Thema Hörschädigung aus und teilten unsere Geschichten miteinander. Das tat gut, da viele wie ich auf einer Regelschule sind und im Alltag wenig Kontakt zu anderen Hörgeschädigten haben. Es zeigte sich, dass viele Konflikte und Probleme im Alltag doch ähnlich sind. Manch einer nahm auch technische Tipps zu Hilfsmitteln in der Schule mit nach Hause.

Großen Spaß hat die Kanufahrt am Sonntag gemacht, bei der wir zum Glück gutes Wetter hatten. Wir waren gemeinsam als Gruppe in Dreier- und Vierer-Kanadiern auf der Lahn unterwegs. Die Pause nutzten wir zum Schwimmen, natürlich ohne Geräte, was aber auch eine schöne Erfahrung war, da alle nichts gehört haben.

Zwischen den Aktionen wie Klettern, Spiele und einer Schneckenjagd hatten wir auch Freizeit und haben am Abend noch lange gespielt, Bilder gemacht und gequatscht. Wir haben über unterschiedlichste Themen geredet und eine tolle neue Freundesgruppe gewonnen, in der wir uns auch nach Ende des Camps unterstützen und stärken.

Für mich war das Camp eine bereichernde Erfahrung, da ich zu Hause in einem hörenden Umfeld ohne hörgeschädigte Menschen aufwachse, und es tat gut, Tage in einer Gruppe zu verbringen, in der die Hörschädigung selbstverständlich und somit normal ist. Wir konnten so oft nachfragen, wie wir wollten und es notwendig war, und jeder hat sehr auf die anderen geachtet. Toll war auch, dass die Betreuer ebenfalls hörgeschädigt waren, sodass wir etwas von ihren Geschichten und Erfahrungen mitnehmen konnten.

Es waren sechs wunderschöne, ereignisreiche Tage, in denen wir als Gruppe echt zusammengewachsen sind, viel erlebt haben und dabei Spaß hatten. Wir wollen das Camp unbedingt wiederholen und ich kann es jedem Jugendlichen empfehlen, denn jeder hat etwas Positives mitgenommen.

 

Text: Hannah Assem
Fotos: DCIG

Andreas Beier

Dipl.-Päd., Mediator

www.andreasbeier.de

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