Drei Teilnehmerinnen berichten

Märchenhafte Tage im Grafenschloss

In unseren Kalendern stand bereits seit Wochen, sehnsüchtig erwartet, 3. bis 7. August 2016 Blogwerkstatt 3. Wozu uns genau Oliver Hupka, Vizepräsident der DCIG e.V., über die Blog-Community Deaf-Ohr-Alive eingeladen hatte, konnten zumindest wir drei als Neulinge der jungen Selbsthilfe noch nicht wirklich einschätzen. Der 3. August war gekommen und die Spannung stieg. Aber, oh Schreck, ein Berg und viele Treppen warteten zunächst auf uns, denn das Grafenschloss thront hoch über der Stadt Diez an der Lahn, in der wir die anderen endlich persönlich kennenlernen sollten. Etliche Stufen später und zwischenzeitlich mit edlen Namensschildern ausgestattet bezogen wir unsere Gemächer. Insgesamt fanden sich 44 Teilnehmer zusammen – teils auch ohne CI –, die im Durchschnitt 26 Lenze zählten.

Es begann...

Oliver stellte uns zunächst das Motto der 3. Blogwerkstatt Selbstmanagement und neue Medien vor. Selbstmanagement bedeutet, die berufliche und persönliche Entwicklung trotz aller Erwartungshaltung von außen selbst in die Hand zu nehmen. In der etwas anderen Vorstellungsrunde wurden sogar abenteuerliche Geschichten hervorgekramt, bei der wir erfuhren, dass schon mancher mit Pinguinen geschwommen war, jemand neben Omas Haus mal eine Tasche mit 1000 DM gefunden hatte und ein anderer unter uns bereits mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen war.

Kommunikation im Visier

Uns erwartete ein vielfältiges Angebot an Workshops, um zu erfahren, was Selbstmanagement
bedeutet und wie es gefördert werden kann. Alexander Görsdorf, Autor von Taube Nuss, sensibilisierte uns auf unsere Körpersprache. Durch die Logopädin Natalie Pohl erfuhren wir, was Peer Counseling ermöglicht: eine Beratung auf Augenhöhe von Betroffenen für Betroffene. Während ein Teil von uns in Teams die Stadt Diez auf der Jagd nachMr. X unsicher machte, erstellten die anderen - teils als komplette Gebärdensprache-Neulinge - Musikgebärdenvideos. Profifotograph Christian Borth demonstrierte uns, welche Arten von Bildern in social networks wiederum ein bestimmtes Bild von der eigenen Person erschaffen. Anschließend startete er einen Foto-Wettbewerb in Gruppen mit der Aufgabe, Gegensätze von realem Alltag und inszenierten Bildern herauszukitzeln und markant darzustellen. Ohne die Unterstützung der Firma Cochlear wäre dies nicht möglich gewesen.

We will survive!

Als wir beim Bogenschießen mit- und gegeneinander antraten, unterstützt durch die Firma MED-EL, konnten wir unsere Präzision zeigen, wobei unser Überraschungsgast Uwe Knüpfer, Chefredakteur der Schnecke, uns mit Pfeil und Bogen schmunzelnd Konkurrenz machte. Es wurde schnell klar, dass es klug gewesen war, dass keiner von uns einen Apfel als Zielobjekt auf dem Kopf balancieren musste, denn wir wollten schon längst keinen einzelnen mehr von uns missen müssen. Beim Floßbau mit begrenzten Materialien und ohne Plan galt es in unseren Teams untereinander besonders gut zuzuhören und die verschiedenen Kompetenzen und Ideen der Einzelnen zu nutzen. Alle Teams schafften es, sich ein stabiles Floß zu bauen (einige waren angeblich schöner als die der anderen, wurde gemunkelt), um anschließend auf dessen vier Quadratmetern Platz zu finden und mit zu koordinierenden Paddeln den gemeinsamen Erfolg auf der Lahn zu genießen. Bei Patrizia Wolfinger lernten wir im Selbstverteidigungs-Workshop, wie man auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahrt, klare Grenzen setzt und sich selbst effektiv verteidigen kann.

Es war ein Fest!

Schick gekleidet gingen wir am Ende des vorletzten Tages zum Gala-Abend, an dem auch den Foto-Teams mit den kreativsten Ideen, sowie den besten Bogenschützen, Preise verliehen wurden. Die Lieder Ich bin ich (Rosenstolz) und Vom selben Stern (Ich+Ich) wurden in Gebärden performt und es kam spontan zu einem gemeinsamen Gebärden-Karaoke-Event und vielen herzlichen Lachern. Plötzlich startete ein Feuerwerk (zufälligerweise von einer Kirmes im Ort), das unseren großartigen Abend in besonderem Lichte erstrahlen ließ, dabei unser Strahlen aber nicht in den Schatten stellen konnte.

Sicher in die eigene Zukunft

Bevor wir am nächsten Tag bereits wieder Abschied nehmen mussten, durften wir dank Audiocoach Jana Verheyen noch wertvolle Tipps und Erkenntnisse über unsere individuellen Stärken mitnehmen, um darauf basierend unsere berufliche Zukunft besser selbst managen zu können.

Dankbar für diese märchenhaften Tage

Es waren unglaubliche Tage mit vielen lustigen und bewegenden Momenten, vielen tollen neuen Begegnungen und Aha-Effekten, die uns die nächste Blogwerkstatt im März 2017 sehnsüchtig herbeisehnen lassen.
 
Wir sind #DeafOhrAlive

 


Katja Steppke, Hamburg, M. Sc. Medizinische Ingenieurwissenschaft
Madeleine Fischer, Schnelldorf (Lkr. Ansbach, Mfr.), Zahnarzthelferin u. Rettungssanitäterin
Melike Kisinbay, Frankfurt am Main, M. A. Kunstpädagogik u. Philosophie

 


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Mit freundlicher Unterstützung

Barmer GEK