Bericht zur DCIG Blogwerkstatt 2 in Heidelberg

Vom 31. bis 2. November trafen sich erneut junge engagierte CI-Träger aus ganz Deutschland zur Blogwerkstatt 2 in Heidelberg, um die Live Preview des Internet-Blogs „Deaf OHR Alive“ mitzuerleben und sich aktiv an der Konzeption und Weiterentwicklung der Website zu beteiligen. Ein weiteres Highlight war unbestritten der Fotoworkshop mit dem Profifotograf Christian Borth, der schon für namenhafte Modedesigner in Paris und für Austria`s Next Topmodel fotografiert hat.

Die neue Online-Community steht in den Startlöchern

Der Dipl. Designer und Agenturinhaber Ulf Tramsen stellte den aktuellen Stand der Community-Plattform „Deaf Ohr Alive“ vor. Der Name entstand in der letzten Blogwerkstatt und ist ein Wortspiel aus „taub oder lebendig“ und „taubes lebendiges Ohr“. Ziel dieser Website ist es junge Erwachsene CI-Träger bundesweit zu vernetzen und einen digitalen Austausch im Sinn der Selbsthilfe zu den Kategorien Informationen, Technik(-Zubehör), Studium/Beruf, Spaß/Freizeit, Tipps & Ratschläge sowohl text-, bild- als auch videobasiert darzustellen. Wir diskutierten rege über weitere "Inhalte und Themen" der Website. Er ermutigte alle Teilnehmer sich als Redakteure zu registrieren und aktiv an der inhaltlichen Gestaltung mitzuwirken z.B. durch das Bloggen von Erfahrungsberichten.

Hinter der Linse

Am Nachmittag erlaubt uns der Profifotograf Christian Borth im Interview mit Oliver Hupka (Vizepräsident der DCIG e.V.) Einblicke „Hinter die Kulissen“ des Fotografierens und der Modewelt. Auch Fragen aus der Runde beantwortete er sehr offen und ehrlich, so dass auch moralische Grenzen des Fotografierens thematisiert werden konnten.

Halloween

Am Abend stürzten wir uns alle ins Heidelberger Nachtleben und feierten mit individuell gestalteten Masken, in einer Altstadtkneipe gemeinsam Halloween. Trotz der lauten Hintergrundgeräusche und suboptimalen Lichtverhältnisse gelang die Kommunikation problemlos, da alle Teilnehmer aufeinander Rücksicht nahmen. Hierbei hatten wir jede Menge Spaß zusammen.

Vlog - Kurzfilme

Am Sonntagmorgen stellte Damian Breu unter dem Motto „Vlog- Videos im Blog“ seine selbstentwickelten Kurzfilme vor, in denen er auf sehr humorvolle Art und Weise lustige Kommunikationsmissverständnisse zwischen guthörenden und hörgeschädigten Menschen darstellte und auch amüsante Alltagsituationen wie z.B. das hängen bleiben des CI`s am Regenschirm mit Selbstironie festhielt.

Entlastend und befreiend

Im Anschluss sprach Lisa Manow Dipl. Psychologin über die Chancen und Risiken der virtuellen Kommunikation. Sie betonte, dass das Aufschreiben der eigenen Erfahrungen in Form eines Blogs sehr entlastend und befreiend sein kann. Ebenso sei das Erleben, mit seinen Problemen nicht allein zu sein und sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen sehr wertvoll. Sie gab aber auch zu bedenken, dass die Gefahr besteht, sich durch seine Offenheit verletzbar und angreifbar zu machen oder abhängig zu werden von der Anerkennung der Follower durch Likes und positive Kommentare.

Sehen statt Hören

Danach startete der Fotoworkshop unter dem Motto „Textalternative- durch Bilder kommunizieren“ mit Christian Borth. Hierbei präsentierte er zunächst eigene Fotos von sich und gab uns Tipps zu verschiedenen Gestaltungselementen wie z.B. der Lichtstimmung, dem Arbeiten mit Kontrasten, Farben und der Perspektive. Später teilten wir uns zu den Themen Gefühlszustände/Empfindungen, charakteristische Portraits und Präsentation von Locations in Gruppen auf, um ein Konzept zu erarbeiten und dies später fotografisch umzusetzen. Die Präsentation der Resultate war unglaublich beeindruckend und vielseitig.

DCIG Foto Award

Beim DCIG Foto Award am nachfolgenden Tag, wurden die drei besten Gruppen gekürt. Die erste Gruppe „Zoo“ hatte das Thema Emotionen und war hierzu in den Heidelberger Zoo gegangen. Dort hatten sie die bedrückende Stimmung der Tiere eingefangen und im Kontrast zu den mit Kuscheltieren schmusenden glücklichen Menschen präsentiert. Dass Bilder häufig mehr sagen als tausend Worte wurde bei der Präsentation deutlich, da auf einmal alle Teilnehmer des Workshops völlig still waren und viele noch lange über die Bilder nachdachten. Der zweite Platz ging an die Gruppe „Studentenleben“, ein Portrait über eine Männerfreundschaft, die trotz sehr unterschiedlicher Lebensstile und Interessen unzertrennlich ist. Den dritten Platz erhielt die „Lovestory“, eine bildhaft dargestellte Geschichte über die Lebendigkeit und Freude des Verliebt seins und den Verlust sowie das damit verbundene Niedergeschlagen sein nach einer Trennung. Der Fotoworkshop unterstrich, dass die Hörstörung nicht immer im Vordergrund stehen sollte, sondern  der Blick auf die individuellen Stärken und Fähigkeiten der einzelnen Personen.

2. Platz: Lovestory (c)Heike Sommer
alle Siegerfotos des DCIG Fotoaward unter www.deaf-ohr-alive.de

Die Schnecke vor Ort

Am Sonntagabend stieß noch Uwe Knüpfer, der neue Chefredakteur der Schnecke zu uns und berichtete charismatisch von seinen langjährigen Erfahrungen als Journalist, bundespolitischer Korrespondent und Chefredakteur der WAZ. Den Tag ließen wir ruhig ausklingen mit dem nachdenklichen Film „Gottes vergessene Kinder“, der wie der Fotoworkshop durch seine Bilder und Geschichte sehr berührte.

Dialog mit Ärzten und Herstellern

Am letzten Tag wurde sich mit der Frage auseinandergesetzt „Wer bloggt denn da?“ – Wie können sich Hersteller- und Klinikvertreter an der Online-Selbsthilfe beteiligen. Hierzu waren Vertreter von MED-EL und Cochlear geladen sowie der Oberarzt Dr. Jacob (Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz) und Dr. Zeh (Leiter der Median Kliniken in Bad Nauheim und Bad Salzuflen als auch Präsident der DCIG). Die CI-Hersteller luden die jungen Erwachsenen CI-Träger zu sich ein und schlugen vor, dass über die Treffen in einem Blog von jungen Redakteuren geschrieben werden könnte.

Abschließend ist zu sagen, dass die Blogwerkstatt neben dem abwechslungsreichen Programm, zum einen durch die super Organisation von Oliver Hupka und zum anderen durch die Offenheit und den Teamgeist der Teilnehmer überzeugte, so dass es eine rundum gelungene Veranstaltung war.

Natalie Pohl
Jahrgang 1986, hörend, Logopädin B.Sc. und
Masterstudentin der Rehabilitationswissenschaften
(u.a. Schwerpunkt Rehabilitation von Menschen mit Hörschädigung)


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