Ausbildung, Studium und Beruf

Während eine wesentliche Hörminderung früher ein fast unüberwindbares Hindernis für eine Ausbildung nach Wahl, den Traumberuf oder gar ein Studium darstellte, stehen insbesondere CI-Trägern heute beruflich viele Türen offen. Der technologische Fortschritt hat dazu geführt, dass eine Vielzahl elektronischer Hilfsmittel zur Verfügung steht, die dem Hörgeschädigten das Leben und Arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen erleichtern können.

Welche Ausbildung passt zu mir – und meiner Hörschädigung?

Die Frage „Welche Ausbildung passt zu mir?“ bzw. „Was soll ich studieren?“ treibt jedes Jahr von neuem viele frisch gebackene Schulabsolventen in die Verzweiflung. Ist neben den Interessen und Begabungen noch eine Hörschädigung bei der Wahl der passenden Ausbildung zu berücksichtigen, macht dies die Sache nicht einfacher. Denn bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium spielt der Hörstatus immer noch eine wichtige Rolle. Hier gilt es, realistisch einzuschätzen, was möglich ist, um spätere Enttäuschungen und Überforderungen zu vermeiden. Bei der Wahl eines Ausbildungsberufes können Ausbildungsberater dem jungen CI-Träger zur Seite stehen. Auch kann es hilfreich sein, sich einen potenziellen Ausbildungsbetrieb oder die Wunschhochschule im Vorfeld einmal persönlich anzusehen, um einschätzen zu können, welche Hindernisse sich für einen hörgeschädigten Menschen dort ergeben könnten und wie der Ausbildungs- bzw. Studienalltag aussehen würde. Eine weitere gute Möglichkeit, um die Passung der gewünschten Ausbildung zu den eigenen Fähigkeiten einschätzen zu können, ist das Gespräch mit Älteren, die diese bereits absolviert haben. Wer Glück hat, findet online oder im privaten Umfeld, z.B. in der „Hörgeschädigten-Community“, einen Selbstbetroffenen, der einen ähnlichen Weg eingeschlagen hat und wertvolle Tipps geben kann. Letztendlich kann aber nur der CI-Träger selbst einschätzen, ob sein Hörstatus, seine sprachlichen Kompetenzen und ggf. seine Fähigkeiten im Lippenabsehen zur gewünschten Ausbildung passen. Wird eine Ausbildung angestrebt, kommt als Alternative zu den herkömmlichen Einrichtungen eventuell auch eine Berufsschule für Hörgeschädigte in Frage.

Optimale Bedingungen schaffen

Ist die Wahl für eine Ausbildung gefallen, sollte sich der Hörgeschädigte von Anfang an optimale Bedingungen für das Hören zu schaffen. Hierzu zählt, sich einen Ausbildungsbetrieb zu suchen, der bereit ist, sich auf den hörgeschädigten neuen Mitarbeiter einzustellen und diesen besonders zu fördern und zu unterstützen. In Unterrichtsräumen sollte ein geeigneter Sitzplatz gewählt und eventuell eine FM-Anlage benutzt werden. Schriftliches Lernmaterial ist ebenfalls hilfreich. Kollegen und Kommilitonen sollten informiert und aufgeklärt werden – dann klappt’s auch mit der Kommunikation, und alle Mitarbeiter können darauf achten, dem Hörgeschädigten in Unterhaltungen ihr Gesicht zuzuwenden und Gespräche in lauter Umgebung zu vermeiden.

Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst

Menschen mit einer Behinderung haben neben einem besonderen Kündigungsschutz Anspruch auf die Unterstützung durch staatliche Stellen bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz und der Schaffung optimaler Arbeitsbedingungen. Der zuständige Integrationsfachdienst unterstützt den Hörgeschädigten während der Einarbeitungsphase im neuen Job und steht Arbeitnehmer und –geber auch langfristig bei auftretenden Fragen und Schwierigkeiten beratend zur Seite. Dabei sollte bedacht werden, dass die Zusammenarbeit von hörgeschädigten und normalhörenden Menschen ein stetiger beiderseitiger Lernprozess ist, der von allen Beteiligten viel Geduld und Toleranz erfordert.

Mit freundlicher Unterstützung

Barmer GEK