Taub und trotzdem hören

Fragen und Antworten

Für wen ist das Cochlea-Implantat geeignet?

„Wenn ein Mensch mit Hörbehinderung nicht mehr telefonieren kann, das heißt, wenn er kein Sprachverständnis mehr über das Hören hat, kommt er für ein Cochlea-Implantat infrage”, sagt Professor Roland Laszig, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Freiburg.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Implantation ist immer ein gesunder Hörnerv. Ob der Hörnerv intakt ist, kann nur in einer HNO-Klinik festgestellt werden. Bei erwachsenen Betroffenen sollte die Hörstörung erst nach dem Spracherwerb eingesetzt haben. Denn vor oder während des Spracherwerbs ertaubten Erwachsenen wird ein Cochlea-Implantat besonders dann von Nutzen sein, wenn sie lautsprachkompetent sind. Mit einer angemessenen Erwartungshaltung können auch gehörlose Erwachsene vom Cochlea-Implantat profitieren.

Was kostet eine Cochlea-Implantat-Versorgung?

Die Kosten für eine Cochlea-Implantat-Versorgung liegen einschließlich Rehabilitations-Maßnahmen bei rund 40.000 Euro. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel übernommen. Die Finanzierung durch private Krankenkassen ist oft Verhandlungssache. Nachfolgekosten, zum Beispiel Batterien, werden gemäß § 27 ff. SGB V von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Private Krankenkassen erstatten diese Nachfolgekosten meistens nicht.

Wo werde ich mit Cochlea-Implantat versorgt?

Die Betroffenen sollten die Klinik unter Berücksichtigung der gültigen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. zur Cochlea-Implantat-Versorgung auswählen. Eine Liste der Kliniken, wo das Cochlea-Implantat eingesetzt wird, kann bei der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. angefordert werden.

Wie ist der Ablauf der Versorgung mit Cochlea-Implantat?

Nach einem ersten Beratungsgespräch erfolgen allgemeine und HNO-ärztliche Untersuchungen, verschiedene Hörprüfungen, Computertomografie sowie die Überprüfung des Hörnervs. Danach ist es für den Betroffenen äußerst hilfreich, sich mit anderen Betroffenen, die bereits mit Cochlea-Implantaten hören, auszutauschen.

Es gibt vier Hersteller von Cochlea-Implantat-Systemen. Alle Implantat-Systeme wurden und werden ständig weiterentwickelt. Die konkrete Beratung zur Auswahl des Implantates erfolgt in den Kliniken. Zu beachten sind dabei technische und audiologische Kriterien. Bei der Auswahl sollten folgende Punkte besondere Beachtung finden:

  • Wie ist die Handhabung des CI-Prozessors?
  • Welche Zusatzgeräte können angeschlossen werden?

Die Risiken einer Cochlea-Implantation unterscheiden sich nicht von denen einer Operation am Mittel- und Innenohr unter Vollnarkose. Eine CI-Operation stellt heute für erfahrene HNO-Chirurgen einen Routineeingriff dar. Mit einem Klinikaufenthalt von etwa einer Woche sollten Betroffene rechnen. Nach weiteren sechs bis acht Wochen findet dann die Erstanpassung des CI-Prozessors in der Klinik statt. Diese nimmt ein Ingenieur oder Audiologe vor.

Werden automatisch beide Ohren versorgt?

Nein. Resultate in der bilateralen Versorgung zeigen jedoch ein eindeutig besseres Sprachverstehen im Störschall, ein besseres Richtungshören und aufgrund des leichteren Verstehens eine aktivere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Jedes Ohr hat einen Alleinversorgungsanspruch. Von der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. wird aktiv angestrebt, die beidseitige Regelversorgung mit Cochlea-Implantaten zu etablieren.

Wie gestaltet sich die Rehabilitation?

Für den größtmöglichen Nutzen mit dem CI hat eine umfassende Habilitation bei Kindern mit CI und eine Rehabilitation bei Erwachsenen erste Priorität. Hör- und Sprachtraining für erwachsene CI-Träger und Kinder mit CI stehen dabei im Mittelpunkt. Viele CI-Träger  erreichen ein offenes Sprachverständnis, für andere CI-Träger stellt die Kombination Hören und Lippenabsehen eine wesentliche Erleichterung bei der Kommunikation dar. Die Rehabilitation kann ambulant, oder stationär erfolgen.

Es gibt verschiedene Rehabilitationskliniken, die sich auf CI-Reha spezialisiert haben. Diese Maßnahme wird durch die Krankenkassen bezahlt, muss jedoch vorab beantragt und von der Krankenkasse genehmigt werden. Adressen verschiedener Reha-Einrichtungen sind bei der DCIG erhältlich.

Was bedeutet lebenslange Nachsorge für Träger von Cochlea-Implantaten?

Das Hören mit Cochlea-Implantat entwickelt sich kontinuierlich weiter. Um diesen Prozess zu fördern, sollte der CI-Prozessor einmal jährlich angepasst werden. Dabei sollten immer auch die Ohren von einem Facharzt untersucht werden.

Kommt es vor, dass ein Cochlea-Implantat ausgetauscht werden muss?

Ja, das kann vorkommen. Eine Re-Implantation kann aufgrund technischer Defekte oder nach medizinischer Indikation notwendig sein. Bei einer Re-Implantation wird das funktionslose Implantat entfernt und durch ein neues ersetzt.

Was bedeutet Leben mit Cochlea-Implantat?

Erwachsene CI-Träger haben ein mehr oder weniger offenes Sprachverständnis und können meist lautsprachlich kommunizieren. Die Anstrengungen für das Verstehen von Sprache verringern sich oft deutlich, ganz besonders bei bilateraler Versorgung mit Cochlea-Implantaten oder auch bei bimodaler Versorgung mit Hörgerät und Cochlea-Implantat auf jeweils einem Ohr. Sie sind deshalb in ihrem persönlichen sozialen Umfeld kommunikativ integriert und können am öffentlichen Leben mehr oder weniger gut teilhaben. Sehr viele Cochlea-Implantat-Träger haben eine Berufsausbildung durchlaufen und/oder können ihre Berufstätigkeit fortsetzen. Somit ermöglicht das Cochlea-Implantat die Teilhabe am Leben.

Mit freundlicher Unterstützung

Barmer GEK